“Die Ukulele wird zur Waffe in meinen Händen … “

Entertainer, Bandleader, TV-Berühmtheit, Musikdoktor, selbsternannter “Fritz Lang des swingenden Schlagers” – Götz Alsmann kann auf eine beachtliche Karriere blicken.
Auf seinem neuen Album “Tabu!” präsentiert er uns erneut äußerst unterhaltsam Fundstücke aus den Tiefen deutscher Musikhistorie.
Aber Achtung: dieses Mal wird’s exotisch …

Alsmann ist ein Archivwühler und Entdecker vor dem Herrn.
Man darf ihn jedoch nicht mit einem dieser Briefmarkensammler verwechseln, die kostbare Fundstücke im Album horten und sie misstrauisch vor den Leuten verbergen.
Nein, Götz lässt die angegrauten Lieder leben, die er gefunden hat. Er holt sie aus dem Seniorenstift der Verlagsarchive, nimmt sie bei der Hand, geht mit ihnen in den Frühlingspark, setzt sich mit ihnen auf eine sonnenbeschienene Bank. Und siehe da, ihre Augen beginnen zu leuchten, sie räuspern sich und strecken sich, und dann beginnen sie zu erzählen. Und wir, wir hören staunend zu – denn, ja doch, sie mögen vielleicht Falten haben, aber was wir von diesen betagten Liedern lernen können, ist Lebenslust und Freude am kleinen Glück.

Jetzt denken Sie bestimmt, das sei Nostalgie, was? Überhaupt nicht richtig. Diesen Schritt hat der Mittvierziger noch nie tun wollen. Auch ein parodistisches Anliegen hat er nicht – da ist nichts Schrilles, Aufgesetztes, und live trägt seine Band übrigens neutrale dunkle Anzüge.
Götz Alsmann ist einfach “ein Freund altmodischer Musik”, er liebt die “Jazzschlager”. Schlager ist für ihn im übrigen ein weiter Begriff, er meint damit “alle Musik, die auf deutsch gesungen wird”. Eine gewisse “Opulenz des Wortes” gehört für den Entertainer zwingend dazu, und diese bestimmte Jazzkomik, die sich aus Spielfreude, Wortwitz und der Lust an gewollten Brüchen nährt.

War “Zuckersüß” (1999) ein Album für Verliebte – man lacht und plaudert auf der Terrasse, später schmachtet man gemeinsam den Mond an und raspelt Süßholz -, so lockte uns “Filmreif” (2001) ins Vorstadtkino der Gefühle, ja ins Lichtspielhaus der hohen Minne.
Das neue Album “Tabu!” nun ist eine Entführung.
Es wird gefährlich … kriminell … düster … exotisch … geheimnisvoll! Wir riskieren mit Götz Blicke in dunkle Seitenstraßen, rekeln uns lasziv auf Leopardenfellen, stechen in See mit einem tätowierten Beau an unserer Seite. Wir rauchen Wasserpfeife und reiten durch die Wüste, und manchmal wissen wir sogar rechtzeitig, wann wir die Finger bei uns lassen sollten.

Es gibt Lieder über eine Stripperin namens “Nana” und das titelgebende “Tabu”, die raunen von Schuld, Sünde und Dunkelheit. Das Titelstück vor allem – zur Erinnerung: “Tabu!” war Murnaus letzter Film, der letzte große Stummfilm. Das Drama um verbotene Liebe und die Macht archaischer Rituale, 1931 auf Tahiti gedreht, bekam einen Oscar.
Dann wieder wird es kuschelig beim “Kleinen Bär mit großen Ohren”. Ob “Zuckerfee”, englische Miss oder “Tatarisches Mädchen”, Götz verliert sein Herz gern und oft und natürlich jedes Mal für immer. Und dann diese Sehnsucht nach der großen Welt! Paris, Nizza, Hawaii, Portofino –
Hauptsache “Weit weg von hier”.

Letzteres haben Bill Ramsey und Chris Howland 1960 gesungen; Götz hat es auch einmal mit Howland in einer TV-Sendung vorgetragen.
Andere Lieder sind wesentlich älter, “Der Schlangenbeschwörer” von 1937, das “Frl. Mabel” hat Heinz Erhardt bereits in den 30ern geschrieben, das Titelstück “Tabu” ist von 1935, “Nana” stammt aus den Mittfünfzigern.
Oder die “Zuckerfee”, besser bekannt als “Mambo de la fée-dragée”: Musik von Tschaikowsky. Der deutsche Text von Duke Ellingtons “Caravan”: geschrieben von Vater Siegel.

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Tabu!

Band :
Titel : Tabu!
Label :
Format : CD
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